Interview über Krebs Teil 1
Krebs ist ein Begriff, hinter dem sich mehr als hundert Krankheitsbilder verstecken. Entsprechend vielfältig sind auch die Ursachen und Fehlmechanismen, die zu Krebs führen können. Im Gespräch mit Corinne I. Heitz, Naturärztin aus Wolfhalden.
von Lotty Wohlwend
Bevor ich zum Thema komme, möchte ich von zwei Patientinnen erzählen, die zu mir in die Behandlung kommen. Die eine ist 25 Jahre alt, die andere 75. Beide haben Krebs. Die ältere wurde von der Schulmedizin bereits aufgegeben. Sie hatte überall Metastasen: an der Lunge, in der Leber, in den Knochen. Sie war völlig verkrebst und rechnete bereits mit dem nahen Tod. Sie wollte auch sterben, um jeden Preis. Die Angst vor der Verstümmelung, die Angst vor dem Tumor war so gross, dass sie selbst Hand an sich legte.
Die junge Patientin, eine Studentin an der Filmhochschule, hat Brustkrebs und will leben, um jeden Preis. Sie kam zu mir, als die Schulmedizin sie bereits mehrfach behandelt hatte. Ich war ihr berühmter Strohhalm. Das Verrückte: Die ältere Patientin konnte ich in einem Zeitrahmen von nur vier Monaten heilen. Ihre Metastasen sind weg. Und die Schulmedizin steht vor einem ihrer so berühmten Rätsel. Die Patientin aber erklärte mir eines Tages in der Praxis konsterniert: «Jetzt habe ich keinen Grund mehr zum Sterben.» Es war nicht so sehr der Krebs, der sie zum Sterben bewog, sondern vielmehr eine Lebensangst, die blieb, obwohl sie vom Krebs geheilt worden ist.
Die junge Frau aber kämpft seit 5 Jahren mit allen Mitteln. Sie hat alles versucht: Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, sie hat alles ausgeschöpft und trotzdem sind Metastasen aufgetaucht. Sie will leben und kämpft einen wahnsinnigen Kampf. Sie ist froh, dass ich ihr Hoffnung mache, aber ihr keine falschen Hoffnungen vermittle. Sie macht nun als ihre Diplomarbeit einen Film über Krebs.
Ihr nächster sehnlichster Wunsch ist ein Kind.
Ein Kind?
Man mag in dieser Situation sagen: Das darf nicht sein, was wird später aus dem Kind? Ich habe einst auch so gedacht. Heute habe ich erkennen müssen, dass man Menschen, die lebensbedrohlich erkrankt sind, eines nicht nehmen darf: das Recht zu leben und zu wünschen.
Warum wird von ihnen erwartet, dass sie bis zum bitteren Ende kämpfen? Warum dürfen sie nicht leben wollen?
Man sagt: Krebs hat auch eine mentale Komponente.
Ich weiss nicht, ob man dem so sagen kann. Krebs ist keine Willenssache. Wir haben im Deutschen dafür einfach keinen Begriff. Es ist etwas zwischen Körper und Psyche. Im Englischen nennen sie dies: Mai 2004 17 Fit, schön, gesund: The Mind.
The Mind ist das Bindeglied zwischen Psyche und Körper, das sich physiologisch als Immunsystem manifestiert. Alles, was im Immunsystem passiert, kann A vom Körper aus kommen oder B von der emotionalen Seite. Dahingehend wird viel geforscht, vor allem in den USA. Psychoneuroimmunologie nennt sich diese Wissenschaft.
Was ist Krebs
Es gibt verschiedene Faktoren, die Krebs auszulösen vermögen: Umweltfaktoren wie Gifte, Toxine, Medikamente. Alles,was den Körper belastet. Dann gibt es Faktoren, die noch direkter sind, z.B. chronische virale Belastungen.
Wir alle haben einen Lichtschalter in uns, nicht auswechselbar, nicht bestimmbar. Ein genetischer Port. Wer an diesem Lichtschalter dreht, das ist nicht genetisch fixiert: Das können emotionale Belastungen sein, Stress, Toxine etc. Das ist auch der Grund, weshalb der eine an Rheuma und der andere an Krebs erkrankt.
Was hat Rheuma mit Krebs zu tun?
Erstaunlich viel. Rheuma funktioniert ähnlich. Rheuma ist eine typische Autoimmun- Erkrankung. Eine chronische Entzündung, auf die das Immunsystem permanent reagieren muss. Mit Willen oder Wollen hat diese Krankheit nichts zu tun.
Wenn wir lange genug Rheuma hatten und die krankmachenden Belastungen bleiben, kann es durchaus sein, dass sich daraus ein Krebs entwickelt. Krebs entsteht durch eine langanhaltende Belastung, egal welcher Couleur.
Was halten Sie von Operation, Bestrahlen und Chemotherapie?
Beim einen hilft es, beim anderen nicht. Bei einer Mehrheit helfen diese Behandlungsmethoden leider nicht. Die Operation bietet heute die höchste Heilungschance von 60 bis 70 %. Bei einer Bestrahlung ist gar nichts bewiesen und die Chemotherapie hat eine ganz schlechte Statistik.
Wozu raten Sie?
Auf alle Fälle zur Operation. Die Masse der Krebszellen muss möglichst auf Null reduziert werden, sonst kann man auch therapeutisch nicht viel ausrichten.
Dann rate ich sofort mit der Alternativmedizin einzusetzen und zwar gezielt. Es reicht nicht einfach Aprikosen zu essen. Es muss auch hier eine Spezialistin oder ein Spezialist her, wie in der Schulmedizin auch. Und wie in der Schulmedizin dürfte dieses Suchen für die meisten Betroffenen das grösste Problem sein. Es ist ein Experiment, oft ein gefährliches.
Ich komme noch einmal auf das Mentale zu reden. Man hört oft: Das Bekämpfen eines Krebses ist eine Willenssache.
Mit dem Willen können Sie gar nichts machen. Wer aufhört zu kämpfen, hat mehr Chancen, denn der Kampf kostet Energie. Diese Energie aber braucht der Körper dringend. Stattdessen sollte sich der Erkrankte fürs Leben entscheiden. Auch die Schulmedizin versucht stets nur den Krebs zu bekämpfen, statt den Menschen zu behandeln. Verstehen Sie den feinen Unterschied? Die Grundvoraussetzung, dass der krebserkrankte Körper erneut wieder Krebszellen produziert, bleibt, weil die Schulmedizin nur eine örtliche, symptomatische Behandlung vornimmt, nicht aber die Ursachen angeht.
Für den Patienten bleibt immer die Angst vor einer Fehlentscheidung.
Diese Angst ist berechtigt. Der Patient braucht in der Regel sehr viel mehr Zeit für eine Entscheidung, als er gemeinhin bekommt. Er müsste sehr viel besser aufgeklärt werden und zwar durch wirklich neutrale Stellen. Nicht nur durch die Krebsliga, die bekanntlich auch von der Pharmaindustrie gestützt wird, und bei der – zumindest in der Schweiz – die Alternativmedizin immer noch nichts zu suchen hat.
Ich wünsche mir auch in unserem Land, wie es beispielsweise in Deutschland gang und gäbe ist, ein intensiveres Zusammenspiel von Schul- und Alternativmedizin. Es braucht beide. Was der Patient aber am allerwenigsten braucht, ist das Verteufeln des einen durch den anderen.
Das Internet bietet dem Patienten heute eine wirkliche Alternative in Sachen Information. Es gibt Websites von Krebskliniken, leider keine schweizerischen, die absolut seriös und umfassend informieren. Ich denke da an die Charité. Hier sind sie wesentlich offener und selbstkritischer als in unseren Krankenhäusern.
Wir leben aber nun mal in der Schweiz.
Ja sicher. Ich möchte den Betroffenen folgenden Rat mitgeben. Nehmen Sie bei einem Gespräch mit dem Krebsarzt immer ein Tonband oder einen Zeugen mit. Aus zwei Gründen. Das Gespräch wird in der Regel wesentlich objektiver. Zudem hört der Patient in seiner Situation gar nicht mehr richtig zu. Er ist in einer Paniksituation und will nur noch eines: Gesund werden.
Haben Sie auch Krebspatienten?
Ja. Aber auch ich habe jene, die sterben werden. Nur lernen sie, damit umzugehen. Sie lernen aufzuhören zu kämpfen. Sie lernen zu geniessen und nicht an der Therapie zu sterben. Wer den Kampf aufgibt, kann noch «e chli sünnele».
Die Schulmedizin holt dann vielleicht noch ein Jahr heraus. Aber unter was für Voraussetzungen, wenn sie Therapien mit Nebenwirkungen aushalten müssen oder immer im Spital sind?
Was raten Sie zur Vorbeugung des Krebses?
Es gibt dazu viele Bücher z.B. über Ernährung. Man soll das essen und jenes nicht. Da frage ich mich, wo bleibt die Lust? Krebs kann man grundsätzlich mit einer gesunden Lebenseinstellung vermeiden, mit einem vernünftigen Lifestyle, mit Vermeidung von Gesellschaftsdrogen, mit dem Geniessen in Mass, mit einer tüchtigen Portion Glauben an sich selbst und der Freude am Leben.




